- Papierkrieg -


In den Fängen der SGS-Bürokratie

An alle RedakteurInnen, ZeichnerInnen und ComputerfreaksInnen!

Von Mittwoch, den 1.6., 16 Uhr, bis Sonntag, den 5.6, 24 Uhr, findet im Pfarrheim zu Olef (am Dorfplatz) die von allen Dreizehnern und Wandbeschmierern befreite Layout-Sitzung der genialsten und darüber hinaus einzigartigsten Schülerzeitung der Schleidener Umgebung statt.

Unsere diesmalige Sitzung steht unter dem Motto:

"Ihr Kinderlein kommet, so kommet doch all,
So kommet gelaufen zum Olefer Stall!"

      Bitte Kleingedrucktes beachten:
      Christian und Dirk

(cjwufe) Wohl in geistiger Umnachtung erdreistete ich, cj, mich, dieses unverschämte Pamphlet der Schulleitung zur höchstoffiziellen Heiligung durch einen Schulstempel vorzulegen. Auch ein billiges Direktorenkürzel hätte mir dabei schon gereicht, um mit meinem Aushang die schwarzen Bretter bepflastern zu dürfen.

Doch damit verlangte ich nun wirklich zuviel. So eine Anmaßung!

Ich konnte natürlich nicht hoffen, daß solch eine unglaublich zersetzende Propagandaschrift von höchster Stelle gebilligt würde. Die scharfen Adleraugen des Oberstudiendirektors übersahen natürlich nicht den Pferdefuß, den ich mit viel Mühe im Text versteckt hatte, um seine Untertanen zu konspirativen Schandtaten aufzuwiegeln. Der Teufel lag wie immer im Detail: ich hatte durch die Einfügung von manipulierenden Vokabeln "kommentierend eingegriffen". (In was, und vermittelst welcher Wörter ich dieses Fehlverhalten beging, war Herr Kaduk mir mitzuteilen nicht gewillt.)

Welcher Vergehen hatte ich mich also schuldig gemacht?

1. Ich hatte versucht, die Grammatikkenntnisse meiner MitschülerInnen hinterhältig zu untergraben, weil das Wort "Computerfreaksinnen" in der deutschen Sprache ja gar nicht existiert. Wer weiß, wieviele versetzungsgefährdete SchülerInnen diesen, meinem krankem Hirn entsprungenen, Neologismus einfach gedankenlos in einer versetzungsrelevanten Nachprüfung übernommen hätten?

2. Ich hatte behauptet, der legendäre "Wandbeschmierer" sei unter den PRANKE-Redakteuren des Jahrgangs 13 zu finden. Mit seinem Verbot rettete Herr Kaduk somit die Ehre der allseits beliebten Dreizehner, wofür wir, fe und wu, ihm überaus dankbar sind.

3. Durch die Vokabel "genial" verherrlichte ich unsere Schülerzeitung, die in Wahrheit nur ein Sammelbecken für asoziale Elemente ist.

4. Ich verschandelte religiöses, urdeutsches Volksgut, indem ich den Text eines rührseligen Weihnachtsliedes verballhornte. Die Gleichsetzung von Olef und Betlehem, der Geburtsstätte unseres Heilands, war ein blasphemischer Nadelstich in den Allerwertesten des Kooperationsgottes. Schließlich ist Olef doch der Wirkungsort eines irren Insektenforschers (Gig?).

5. Das Olefer Pfarrheim bezeichnete ich als Stall, obwohl hier niemals ein Messias geboren wurde, soweit wir das nach unserem ca. tausendseitigen Bibelstudium sagen können.

Da meine Schriften immer noch im Besitz von Herr Kaduk sind, fürchte ich, daß sie schon den Weg zum Dezernenten angetreten haben. Dieser dürfte aber noch genug mit anderen Dokumenten zu tun haben, die ihm Herr Kaduk freundlicherweise als Beweise unserer Sündhaftigkeit hat zukommen lassen (z.B. Plakate "verbotener" Parteien, und "perverse Schweinereien").

Aber es ist klar, daß dieser Aushang wirklich das absolut Schlimmste ist, was wir uns jemals haben zu Schulden kommen lassen. Dies ist keine harmlose Kleinigkeit; deshalb müssen wir schon sparen, um uns rechtlichen Beistand für die zu erwartenden Klassenkonferenzen leisten zu können.