- Reportage -


Bistro auf Identitätssuche

(ms) Ein brandneues Bistro in Steinfeld. Das Unbekannte führt auf den Eifelhöhen zu Kontroversen. Der Kampf zwischen den Interessen tobt. Die Frage lautet: Wird das Bistro seinen Namen verteidigen oder wird aus dem Bistro eine Limobude ? Wahrend der Bierhahn auf- und zugedreht wird, hat der Massenansturm begonnen.

Damit jeder zu seinem Bier (oder Limo) kommt, hier die Checkliste vor dem Start für alle wagemutigen Schleidener, die Höhenluft vertragen:

1. Sind die Winterreifen montiert? Ohne Winterausrüstung braucht sich keiner aus dem Schleidener Tal nach oben zu wagen. Die Besucher des Bistros sind es leid, unzählige Cabrios aus dem Straßengraben zu ziehen und aus Schneewehen freizuschaufeln.

Steinfeld ist Relikt der Eiszeit. Wer diesen Grundsatz mißachtet, wird nie weit vorstoßen. Pudelmütze und Ohrenwärmer sind anerkannte Ausrüstungsgegenstände.

2. Zu Betriebszeiten des Steinfelder Bildungsbetriebes, besonders auch zur Essenszeit im klösterlichen Internat sind Klappstühle mitzubringen. Sitzplätze vor der Türe sind entgegen allen Gerüchten legal. Insider genießen hier mit Wärmeflasche den Ausblick auf das Klostertor und lassen sich mit Schneebällen bewerfen. Preisnachlässe sind hiermit jedoch nicht verbunden.

3. Das Bistro in Steinfeld zeichnet sich durch eins gegenüber allen anderen im Umkreis aus: es genießt die Gegnerschaft der hier erprobten pädagogischen Konzepte. Deshalb sind bei jedem Besuch Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. Um zur Theke zu gelangen, müssen zuerst demonstrierende Lehrer beiseitegeschoben werden. Hartnäckige Erzieher der Jugend sollen sogar auf derselben einen Sitzstreik veranstaltet haben. Bewährt hat sich die Methode, mit dem Schneebesen sämtliche Leer-/Lehr-güter wegzuwischen und mit Wasser nachzuspülen. Damit wird die Theke nachhaltig gesäubert. Vor weiteren Angriffen schützt man sich, indem man sich als Tourist verkleidet und eine Kamera umhängt.

Auswärtige geben durch ein weißes Stoffähnchen zu erkennen, daß sie nicht den örtlichen Autoritäten unterstehen. Im Zweifelsfall hilft nur das Vorweisen einer kurzen Unterhose.

4. Hinweisschildern ist nicht unbedingt Folge zu leisten. Insbesondere Umleitungsschilder werden von Ortskundigen beanstandet. Wer jedoch dem Hinweis "Bistro rechts" folgt und in der Weitsprunggrube auf dem Sportplatz landet, ist selbst schuld. Einheimische Dörfler machen sich gern den Spaß, Fremde fehlzuleiten. Für eine sichere Ankunft ist damit gute Orientierungsgabe erforderlich. Als Grundsatz gilt: "Geradeaus ist immer gut."

5. Ist man endlich angekommen, gilt es unterzutauchen. Profilierung ist verpönt. In diesem Sinne sei allen empfohlen, unter keinen Umständen auf den Tischen zu tanzen! Wenn auch einige aus dem Schleidener Tal dieser Art der Selbstdarstellung frönen, hier ist sie strengstens verboten. Bei Zuwiderhandlungen droht nach Ermahnung Tischentzug. Wiederholungstäter erhalten bei entsprechender Begabung einen Vertrag für die Seniorenabende nach 23 Uhr.

6. Das Bistro ist um Meinungsvielfalt bemüht. Die Toleranz Randgruppen gegenüber führt jedoch nicht zur Einrichtung von Parteitischen oder Szeneecken. Etablierte Parteien, Tannenbaumzüchter und Eichhörnchenretter können daher nicht mit Tischreservierung rechnen. Sie sollten daher nach Vorlesen der Geschäftsordnung sich in Einzelgruppen auflösen und zum Hauptpunkt der Tagesordnung an die Theke drängen oder ihre Parteibücher für die Dauer des Besuches an die Kleiderhaken hängen.

7. Benetton-Säcke sollten draußen bleiben. Diese Art der Taschen ist auf den Eifelhöhen nicht bekannt. Das Bistro sieht sich nicht mehr in der Lage, den Reklamationen der Besitzer nachzukommen. In der Vergangenheit wurden Benetton-Säcke, die im Bistro herumlagen, wiederholt als Mülleimer benutzt. Das Verbot von Benetto-Säcken erspart damit den Besitzern die Mühe, Mayonnaise aus ihren Säcken zu kratzen; die Unwissenden hingegen werden nicht in Versuchung geführt.

8. Eine Spende für das Bistro ist immer willkommen. Aufgezwungene Beschränkungen des Alkoholausschankes, KoIltrollen und Razzien machen dem Besitzer das Leben schwer. Großzügige Trinkgelder und das Ausfüllen der ausgelegten Uberweisungscheine helfen daher im Kampf gegen die Limoflut im Schleidener Tal:

"Limo trinken mit Subventionen, verstößt gegen die Regel, den Markt zu schonen."