- Lästerei -


IM Nikolaus

(ms) Der Abend des 17. Dezember war tierisch naß und kalt. Ein Großteil der Städtischen soff sich erst mal im Bistro Mut an, um anschließend den beschwerlichen Weg durch die Schleidener Innenstadt hinauf zum Hähnchen bis zur Schule auf'm Berg zu wagen. Unterwegs wurden einige Alk-Depots angelegt, um nicht unnötigerweise Geld für Plastik-Bier auszugeben. Der Anlaß des nun anstehenden CFG-Schülerballs (um den soll es nämlich im Folgenden gehen) war die allseits bekannte Sonnenwendfeier, die allerdings auf dem christlichen Clara-Fey-Gymnasium Weihnachten genannt wird. Hier war schon der erste Unterschied zum vier Wochen zurückliegenden SGS-Ball zu erkennen. Völlig weltlich und anarchistisch zugleich hieß es hier "Biotop für Bekloppte" - entsprechend sah hier die Wandverkleidung aus: Kreuz und quer geklebte Tapetenbahnen und Tischdecken hingen (allerdings zum Teil nicht sehr lange) an den Wänden, vollgeschmiert von wildgewordenen 13ern des SGS, die ihren geballten Schwachsinn an den Rest der Welt weitergeben wollten. Unter anderem wurden dabei Parolen der Anti-Friseur-Liga (AFL), des Tötet-Onkel-Dittmeyer-Kommandos (TODK), der Anonymen-B....-Scanner (ABS) und der Ficken-ist-Frieden-Initiative (FIFI) sowie ein amoklaufender EAV-Fan beobachtet (dieser wurde von einem militanten U2-Fan zu Boden gebracht).

Dagegen konnte man sich auf dem Bischöflichen an sauber geklebten (aber auch nicht ewig haltbaren) Tapeten ergötzen, auf denen mit Ruhe und Sorgfalt Motive aus der christlichen Mythologie aufgemalt waren, so z.B. Engel, verschiedene Heilige (Maria, Nikolaus usw.), sogar der große St. Schneemann war zu sehen - wobei es uns Laien natürlich schwerfiel, letzteren in das christliche Weltbild einzuordnen.

Nun, wir als mutige PRANKE-Redakteure machten uns sofort an unsere journalistisch-seriöse Arbeit.

Zunächst war wieder das alte Spiel angesagt: "Such den Bon-Verkauf". Schon nach wenigen Viertelstunden wurde der dann auch gefunden - und (wie gemein!) diesmal wurden an der Theke doch nur (oder fast nur) die tatsächlich verkauften Bons angenommen!

Was waren das für rosige Zeiten, als auf dem letzten Schülerball nur die Anzahl der Bons ungefähr stimmen mußte, nicht aber Farbe, Form, Größe und Aufschrift. Schadeeee!

Aber was bekam man nun für seine Bons? Bier aus dem Plastikbecher!!! Basses! Würg! Brech! Bä! Wä! Nä!

Zur Not konnte man dann noch auf alkoholfreies Bier aus 'ner echten Glasflasche ausweichen - soll besser geschmeckt haben als das Plastikbier.

Mittlerweile zogen PRANKE-Erkundungstrupps aus, um auf die Suche nach der Stimmung zu gehen - und man fand sie gelegentlich auch! Vielleicht lag das aber nicht zuletzt daran, daß die Musik nicht ausschließlich von einer gewissen Zahnspangen-Belustigungs-Truppe aus Wolfert stammte, sondern zumindest teilweise von den CFG-13ern beeinflusst wurde. War echt gar nicht mal so übel - zwar in keiner Weise mit der legendären Jahrgang-13-Fete des Städtischen im Lenz vergleichbar, aber durchaus erträglich. An dieser Stelle sollten wir allerdings eine Schweigeminute einlegen für die von uns allen so liebgewonnene "Off-Limit-Autos-müssen-weggeparkt-werden-Musik-Pause".

Doch irgendwie empfanden wir - der harte Revoluzzer-Kern des Jahrgangs 13, des SGS, der PRANKE, der KPdSU - ein merkwürdiges Unbehagen. Nicht wegen der Heiligen-Darstellungen an den Wänden, nein! Wir fühlten uns plötzlich beobachtet und belauscht. Kalter Schauer lief uns über den Rücken, die Nackenhaare sträubten sich - ängstlich schauten wir uns um. Sollten die als Teenager verkleideten CFG-Lehrkörper etwa alle V-Männer und -Frauen sein?

Schließlich sah man sie in regelmäßigen Abständen zusammen mit Herrn Schwinn - ein böses Zeichen!

Oder wozu war die ganze Wand-Deko gedacht? Vielleicht wollte man nur die darunter verborgenen Kacheln verbergen, um keine allgemeine Klostimmung aufkommen zu lassen - schließlich sollten sich die Steinfelder nicht allzu heimisch fühlen!

Nein, nein, wir sind uns mittlerweile sicher: Unter den Tapeten waren Kameras versteckt - mit Direktverbindung ins Zimmer des Schulleiters! Ebenso die vielen Nikolausverkleidungen und noch zahlreicheren Nikolausmützen kamen uns sehr verdächtig vor: Der an der Spitze der Mütze befindliche "Bömmel" war nämlich in Wahrheit eine geschickt getarnte Antenne für die in der Mütze selbst versteckte Wanze - klar, auch mit Direktverbindung!

Tja, so kann's gehen - der Große Lauschangriff scheint schon Realität zu sein, wenn auch nur in bestimmten Sektoren dieses Rechtsstaates.

P.S.: Ach ja - es gibt einen Punkt, in dem das CFG das SGS wirklich übertroffen hat: Der Clara-Fey-Schülerball war noch heller beleuchtet als der Städtische - Wahnsinn!

Zuletzt möchte ich noch mein Entsetzen darüber äußern, daß Schüler des Hermann-Josef-Kollegs Steinfeld auf dem Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium eine interne Prügelei anfingen - von den Randalen in der Stadt ganz abgesehen!

Wo soll das noch enden??