- "Juristerei" -


Paragraphenraten

(cj) Viele Schülerinnen und Schüler (und vielleicht auch Lehrer??!) haben leider geringe Kenntnis von der rechtlichen Basis, die der Institution, die sie täglich besuchen, bzw. die den Rechten und Pflichten, denen sie sich ein Viertel eines jeden Tages mehr oder weniger unterwerfen, zugrunde liegt.

Dieser Artikel ist von der Hoffnung erfüllt geschrieben, ein jeder Schüler möge kundiger in juristischen Angelegenheiten werden, auf daß niemand mehr von Ungerechtigkeiten heimgesucht werde. Für von dieser Intention abweichende Interpretationsansätze übernimmt der Autor dieser Zeilen keine Verantwortung.

Der Vorworte seien nun genug gesprochen. Die allesentscheidende Frage lautet:

Welche der folgenden Paragraphen sind zitatgetreu der ASchO (Allgemeine Schulordnung) entnommen, welche sind willkürlich und selbstredend einzig und allein meiner Phantasie entsprungen?

§37 Schülerzeitungen

1. a) Die Schüler haben das Recht, Schülerzeitungen herauszugeben und auf dem Schulgrundstück zu verbreiten. [...] Sie (die Schülerzeitungen; Anm. d. Autors) unterliegen nicht der Verantwortung der Schule. Schüler nehmen auch in der Schülerzeitung ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahr. [...]

1. b) Die Schüler haben das Recht Schülerzeitungen herauszugeben, und an Sonn-, Feier- und Ferientagen auf dem Schulgrundstück zu verbreiten. [...] Schüler nehmen in der Schülerzeitung ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahr, sofern ihre Meinung nicht dahin tendiert, Schulleiter unweltlicher Schulen in einer Weise zu kritisieren, die ihre christliche Gesinnung in Frage zu stellen scheint.

2. a) Die Herausgabe und der Vertrieb der Schülerzeitung bedürfen keiner Genehmigung. Eine Zensur findet nicht statt. [...]

2. b) Die Herausgabe und der Vertrieb der Schülerzeitungen städtischer Schulen bedürfen, falls die Zeitung unweltliche Schulen in irgendeiner Form der Kritik ausliefert, deren Genehmigung sowie der des eigenen Jahrgangs- koordinators.

Eine Zensur für die in der Schülerzeitung veröffentlichten Artikel ist in keinem Fach zu erteilen.

§14 Ordnungsmaßnahmen

3. a) [...] Sie (die Ordnungsmaßnahmen; Anm. d. Autors) können angewandt werden bei Pflichtverletzung durch Schüler, insbesondere bei Störung des Unterrichts oder sonstiger Schulveranstaltungen, bei Verletzung der Teilnahmepflicht sowie bei Verstößen gegen die Schulordnung oder die Hausordnung oder andere schulische Anordnungen.

3. b) Ordnungsmaßnahmen werden angewandt, wenn ein Einwohner eines Nachbardorfes dies fordert, oder wenn ein Schulleiter einer unweltlichen Schule sein Recht auf die Unantastbarkeit seiner Persönlichkeit durch unsachliche und seiner Meinung nach jeder Grundlage entbehrende Kritik seitens einer städtischen Schülerzeitung ernsthaft in Frage gestellt sieht.

§15 Verfahrensgrundsätze

4. a) Die Ordnungsmaßnahme (dazu gehört laut µ14, Absatz 2, Punkt 3 der ASchO auch "der vorübergehende Ausschluß vom Unterricht"; Anm. d. Autors) muß unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum Verhalten des Schülers stehen.

4. b) Ordnungsmaßnahmen können unter Berücksichtigung des Willens des betreffenden Jahrgangskoordinators sowie aller beteiligten Schulleiter willkürlich verhängt werden.

Z.B. kann ein Schüler durch die Ordnungsmaßnahme des "vorübergehenden Ausschlusses vom Unterricht" vom Genuß seines Kooperationsunterrichts abgehalten werden, wenn er einem anderen Schüler Informationen zukommen läßt, die diesen befähigen, in einer Schülerzeitung einen Artikel zu veröffentlichen, der den Schulleiter einer unweltlichen Schule derart verleumdet, daß dieser sich durch unwahr, unsachgemäß, unfair, unzivilisiert, untragbar, unkompetent, unästhetisch, unverschämt, unzumutbar, unbemittelt, unintelligent, unangenehm, unfreundlich, ungehobelt, ungebildet, ungehorsam, unrasiert, ungekämmt, ungewaschen, und unter Umständen ungeheuer unmenschlich und unmoralisch, unglaublich ungesittet und unsozial, unmäßig unkirchlich und überdies unchristlich geäußerte Kritik derart angegriffen fühlt, daß er sich unter Aufbringung allen aufbringbaren guten Willens dennoch nicht dazu imstande sieht, diese Kritik zu ertragen.

Da das Finden der Lösungen so schwer war, daß Ihr sowieso direkt hinten nachgeschaut habt, kann ich mir das "Verkehrtherumschreiben" ja wohl sparen: RICHTIG im Sinne der AScho sind 1a. 2a, 3a und 4a.

Man munkelt jedoch, 3b und 4b wären auch schon praktiziert worden, wohingegen sich die Verwirklichung der Paragraphen 1b und 2b noch in der Planung befinde.