- Literaturkritik -


Yellow Press

(fems) Beim vorliegenden Werk handelt es sich um eine Neufassung eines gleichnamigen Werkes von 1961, das schon damals ein absoluter Bestseller war. So wagte man denn auch direkt eine Erstauflage von 30 Millionen. Dennoch ist ein finanzieller Gewinn für den Verlag mehr als fraglich, da man es kostenlos abgab, nur um die Auflage loszuwerden. Ob man wohl nach dem Drucken erkannt hat, das für dieses Buch niemand sein Geld ausgäbe? Und was wird der Autor dazu sagen, daß in seinem Werk, das so massenhaft verbreitet wird, keinmal sein Name erscheint? Handelt es sich am Ende gar um einen "Raubdruck"?

Nun etwas zum Inhalt:

In dieser Fassung wird das alte Thema in neuer Weise interpretiert. Der Text ist diesmal viel genauer, was sich auch im hohen Gewicht des Buches bemerkbar macht. (Äußerlich erinnert dieses übrigens hinsichtlich der Farbe an eine bei Schülern äußerst beliebte Buchreihe.) Der Autor schafft es nicht, den Text wirklich zusammenhängend zu gestalten; er begeht auch viele grammatikalische Fehler, z.B. vergißt er ständig die Prädikate. Dadurch bleibt die Intention leider absolut im Dunkeln.

Der Autor scheint in seiner Kindheit einmal ein traumatisches Erlebnis gehabt zu haben, das irgendwie mit einer Stadt zusammenhing. Wegen der dadurch ausgelösten Psychose kann er an nichts anderes denken als an Städtenamen. Der Komplex scheint so stark auf ihn zu wirken, daß er sämtliche Städtenamen Deutschlands auswendig gelernt hat.

Aus irgendeinem Grund legt er es aber auch darauf an, Ärger mit der Industrie zu bekommen, denn andauernd baut er irgendwelche Firmennamen ohne erkennbaren Bezug in den Text ein. Ganze Seiten widmet er den unterschiedlichsten Unternehmen.

Viele behaupten, man müsse zum Verständnis des Werkes gar nicht den gesamten Text lesen, sondern sich nur ganz bestimmte ausgewählte Stellen anhand der durchgehenden Wortnumerierung heraussuchen. Wir meinen aber, daß man damit dem hohen literarischen Anspruch des Werkes in keiner Weise gerecht wird.

"Das Postleit(d)zahlenbuch"; erschienen 1993 bei "Deutsche Bundespost, Postdienst"; Autor unbekannt; Preis: so teuer wie diese Pranke