- Nachruf -


Ein Trauerfall in Schleiden

(vw) Liebe Trauergemeinde, verehrte Gäste und teure Freunde. Wir haben uns hier versammelt, um Abschied zu nehmen. Wir sagen lebe wohl zu einem treuen Freund. Er war nicht nur ein hervorragender Gesellschafter und eine brilliante Destille, sondern auch bewundert und respektiert von Kameraden sowie Kollegen und von all denen, welche das Glück hatten, ihm zu begegnen. "Er war vor allem ein bescheidener Freund...", solche Töne werden bald auf dem Marktplatz vor den Pforten von Irmi Jakob´s Ratskeller zu hören sein. Diese schöne gastfreundliche Kneipe im Herzen Schleidens ist durch den Entzug des Pachtvertrags zum Tode verurteilt. Seit über 25 Jahren hat der Ratskeller stets seine Kunden zuvorkommend bewirtet, so daß sogar hilflose Abiturienten des SGS sich dort vor bzw. nach gnadenlosen Abiturprüfungen in Sicherheit fühlten. Auch jetzt noch, in seinen letzten Tagen, stehen ihm treue Stammkunden zur Seite, um dort ein kühles Bitburger und Erdnüsse zu konsumieren. Auch Mitglieder des diesjährigen Abiturjahrgangs gehören zu diesen Stammkunden, die probieren, durch hohen Bierkonsum die finanzielle Lage des ´Kellers´ zu verbessern. Dieser ehrenhafte Gedanke schwirrte auch in den Köpfen der Schüler des diesjährigen Jahrgangs 13 herum, als eines schönen Tages die Klausuren in Mathe (LK und GK) absolviert waren und nun die abendliche Feier anstand. Die einzige Möglichkeit, die sich für die Schüler bot, war ein Besuch im geliebten Ratskeller. Kaum eingefroffen, wurden pro Mann zwei Bier geordert, um das Erste zu exen (für unsere jüngeren Mitschüler: exen bedeutet eine gewisse Menge liquide Elemente in möglichst kurzer Zeit zu trinken, saufen, zechen, pokulieren, bechern, kneipen, pietschen, tanken, einheizen, hinunterstürzen, hinuntergießen, hinunterspülen, schlürfen, nippen, dupeln, tuten, trompeten, picheln, kümmeln, tulpen, schnapsen, thrillern, trudeln, zwitschern, schmettern, zischen, bürsten, blasen oder schlucken) und das Zweite in aller Gemütlichkeit zu genießen, bei einer Zigarette und einer Hand voll Nüsse. Nach den ersten zwei bis drei Litern kam dann ein ´Schlimmer´ auf den Gedanken, daß ein oder andere Bier auf Zeit zu trinken. Man stieß zu zweit über der Mitte des Tisches an, führte die Tulpe (Name für eine spezielle Form eines 0.2l Glases von Bitburger) schnellst möglich zum Mund und trank, was das Zeug hielt. Derjenige, der das Glas als erster auf den Tisch stellte, sollte Sieger des Wettkampfes sein. So mußte es kommen, daß die Gläser beider Gegner mit möglichst brachialer Gewalt auf den Tisch gedonnert wurden, so daß diese im Stiel auseinander brachen. Selbst das wurde, nach Entschuldigungen der Beteiligten, von der Besitzerin mit einem Lächeln hingenommen. Auf dem Heimweg wurde der Olefer Wald eine Ruhestätte für zwei der Mitbesucher, bevor es in dem heimatlichen Hafen nach Olef bzw. Gemünd ging. Durch diese Geschichte will ich nicht die Unmenge an Bier, die wir tranken, in den Vordergrund stellen, sondern einzig und allein die gemütliche Situation beschreiben, die typisch für den Ratskeller ist.

Als Anfang der neunziger Jahre das Bistro im Burggarten modernisiert wurde, war es um die meisten Kunden, die zuvor im Ratskeller gastierten, geschehen, denn diese wendeten sich vom Ratskeller ab, um das neue Bistro zu besuchen, welches heute der Haupttreffpunkt der Schüler vom SGS sowie des CFG ist. Dazu ist zu sagen, daß vor den Umbau des Bistros der Ratskeller der Aufenthaltsraum für Schüler in deren Freistunden war.

Selbst ein Musiklehrer, der zwar in Schleiden unterrichtet, aber weit außerhalb wohnt, sagte:"Der Ratskeller ist doch eine traditionelle Kneipe. Schleiden ohne Ratskeller, das gibt´s doch nicht!"

Zum Schluß möchte ich noch jedem, dem es möglich und gesetzlich erlaubt ist, raten, vor dem entgültigen Schluß des ´Kellers´ die gemütliche Situation selbst bei einem kleinem Bier zu erleben.